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Sonntag, 04 Juni 2006

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Henckel von Donnersmarck verliert die Nerven:

Kommentare

Sebastian

Herr Staadt, ich bringe ihre Arbeit auf einen widersinnigen Nenner? Was ist denn ihre Arbeit? Welchen Nenner? Ich kritisiere in meinem Eintrag Florian Henkel von Donnersmarck, sonst nichts.

Staadt

Pöbler trifft zu. Wenn Sie unsere Arbeit auf den widersinnigen Nenner bringen, wie oben geschehen. Traurig, wie man nach zwei Diktaturen in Deutschland so realitätsblind sein kann.
J. Staadt

klanger

Ich muss ein paar Bemerkungen zu dem Herrn Mühe loswerden:
Der Herr Mühe war mir ja schon vor der sog. Wende als Schauspieler ein Begriff.
Als er in den Wende-Wirren für den Alt-Kommunisten Walter Janker sich engagierte, wurde er auch als Mensch für mich ein Begriff. Ich hatte das seinerzeit für Charakter gehalten.
Nach dem der Herr Mühe sich lange Zeit mit Kommentaren gegen seine Ex-Frau zurückhielt (denn die Stasi-Vorwürfe sind ja nicht gerade taufrisch) hatte ich das auch noch für Charakter gehalten. Just zu dem Zeitpunkt, als sein Film PR brauchte, schießt er nun gegen seine todkranke Ex-Frau, trotzdem bekannt ist, dass sie auf keinen Fall ihn verraten hat. Wie soll man das werten? Für mich hat der Mensch keinen Charakter, sondern er geht mit dem Zeitgeist. Als in der Wendezeit ein Eintreten für Janker Mode war, tat er es. Als sein Film, und das Thema Stasi Mode ist, zieht er über seine Ex-Frau her. Was in meinen Augen besonders niederträchtig ist, da sie gesundheitsbedingt nicht die Kraft hat den Kampf gegen ihn zu bestehen. Warum der Mühe sie mit diesem Ärger ins Grab schicken musste kann ich in keinster Weise nachvollziehen. Wenn er seinerzeit beim Auftreten der ersten Gerüchte zur Stasi-Vergangenheit der Jenny Gröllmann aus plötzlicher Entrüstung so aufgetreten wäre, hätte man das menschlich nachvollziehen können – aber jetzt, wo Frau Gröllmann mit dem Tode rang?
Dieser Herr Mühe ist als Mensch und auch als Schauspieler für mich gestorben, denn hinter der Figur des Schauspielers sehe ich auch immer den Menschen. Leider kann ich mir deshalb nun den Film nicht mehr anschauen und dementsprechend die Kritik von HH (Henry Hübchen) nicht nachvollziehen. Da ich aber bisher noch keinen westlich geprägten Menschen getroffen habe, der trotz aller Versuche des Verstehens sich wirklich in das Klima der DDR gefühlsmäßig hineinversetzen konnte, denke ich, dass HH Recht hat mit seiner Kritik. Den Respekt meinerseits, dort öffentlich so deutlich seine Sicht der Dinge zu äußern (es hat ihm mit Sicherheit nicht nur Freunde gebracht) hat er auf jeden Fall. Schön, dass es noch Menschen gibt, die sich nicht so verbiegen wie die Schlange Mühe.

Momo

Liebe Frau Walkowiak,
sie verstehen Hernn Hübchen leider ebenso miss, wie es Herr von Donnersmarck. Herr Hübchen hat eben nicht gesagt, dass man über die Stasi NUR gelacht hätte, sondern umgekehrt, dass man die Stasi eben nicht nur Bedrohung gesehen habe, sondern sie eben AUCH verlacht habe. Sicher, das war nicht allgemein so. Herr Hübchen bezieht sich daher ja auch sehr bewusst auf die DDR- Theater- und Künstlerszene, deren Angehörige aufgrund ihrer Popularität ggf. ja auch eine gewisse Sicherheit bzw. "Narrenfreiheit" genossen. Ich betone gewisse, denn sie hatte eben auch Grenzen. Und die waren für die weniger bekannten Künstler entsprechend enger gezogen. Das wird Herr Hübchen sicher auch nicht verhehlen.
Ich glaube, dass Herrn Hübchen an dem Film von HvD geärgert hat, dass er das Leben in der DDR auf ein recht simples Gut- Böse- Schema reduziert in dem der "Böse" durch das Schöne zum "Guten" bekehrt wird. Und das "Gute" unausgesprochen unsere heutige Welt ist. Was HvD nicht versteht, ist dass dieses Schema eben für viele kritische Geister der DDR nicht zutreffend ist, gerade innerhalb der Intellektuellenszene. Deren Kritik am System hatte als Bezugspunkt eben nicht die bundesrepublikanische Demokratie, sondern eine Utopie eines anderen, eines demokratischen, eines menschlichen Sozialismus. Und das erklärt dann eben auch, weshalb viele von denen, die durchaus Repressionen erlebten, nicht gingen, sondern blieben und selbst jene, die gingen oder gehen mussten, sich nicht von der Utopie verabschiedeten. Die Kritik von Leuten, wie Stefan Heym, Christoph Hein, Frank Casdorff, Heiner Müller, Peter Sodann (um nur mal ein paar geläufige Namen zu nennen, viele andere wären möglich) an der DDR war doch nicht, dass diese nicht wie die Bundesrepublik war, sondern dass sie das, was sie vorgab, nämlich die Idee des Sozialismus zu verfolgen, eben gerade nicht tat, sondern im eklatanten Widerspruch zu dieser Idee stand.
Und aus dieser Grundhaltung heraus lässt sich dann auch verstehen, weshalb sie das Leben eben nicht nur als pure Repression empfunden haben, sondern vielmehr auch(!) als Ringen mit den Bürokraten um die Utopie, dessen Etikett sie sich angeignet haben, dessen Ideen sie aber konterkarierten.
Dass Herr von Donnersmarck von dieser Realität nichts verstanden hat, wurde deutlich als er Herrn Staadt, vom SED- Forschungverbund
als den größten Experten bezeichnete, dessen Geschichtsschreibung sich aber genau auf dieser Dualität zwischen stalinistischem Sozialismus und bundesrepublikanischer Demokratie gründet. Und die eben alle auch in dieses Gut-Böse-Schema einordnet. Kritische Geister, die dann bis heute nicht eingestehen wollen, dass die Bundesrepublik von heute das Beste aller möglichen Systeme ist und wir den Endpunkt der Geschichte erreicht haben, sind dann entweder Opportunisten, Nostalgiker oder bestenfalls noch verträumte Spinner.
Und wenn ein Henry Hübchen, der sich in dieser Szene bewegte, Teil von ihr war, sich in diesem Schema nicht wiederfindet und das dann sagt, dann fällt Herr von Donnersmarck vom Glauben ab, weil ihm andere doch anderes erzählt haben. In wie weit diese Anderen sich selbst und ihm allerdings ehrlich Zeugnis über ihr Denken abgelegt haben oder dieses im Nachhinein verklärt haben, fragt er sich nicht. Entscheidender aber ist, dass er offenbar die Hinweise auf diese andere Realität nicht nur außen vorgelassen hat (siehe den Disput um die Beratung durch Christoph Hein), sondern dass er diese Realität, jetzt mal böse gesagt, besserwessihaft bestreitet. Hübchen dagegen bestreitet gar nicht, dass es die Welt der Repression gab und das manche es so empfunden und erlebt haben, wie von HvD dargestellt, er bestreitet lediglich, dass das die Realität aller oder der übergroßen Mehrheit war. Dass das und nur das, das Leben in der DDR richtig wiedergibt. Und wer`s so nicht erlebte, dann eben wohl, weil man auf dem Surfbrett stand, Privilegien genoß, also Opportunist, Mitläufer oder schlicht Profiteur dieses Systems war.
Dass ihm das offenbar von Herrn Mühe gesteckt worden ist, unterstreicht m.E. den Vorwurf von Hübchen an Mühe nochmals. Zu dessen Familiengeschichte noch ein paar knappe Sätze:
Die Ex- Gattin von Herrn Mühe, die Schauspielerin Jenny Gröllmann ist todkrank. Das es eine IM- Akte von ihr gibt ist richtig. Aber es gibt auch die Aussage des aktenführenden Stasioffiziers, dass Frau Gröllmann nicht wusste, dass sie als IM geführt wurde, was gerade in diesem gesellschaftlichen Bereich so selten nicht wahr. Praktisch hieß das, dass man sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen befragte. Auch deshalb musste die Behauptung von Herrn Mühe auf gerichtlichen Beschluss hin im Buch zum Film geschwärzt werden. Dass Herr Mühe nicht den Anstand hat, sich bei Frau Gröllmann für seine erwiesener Maßen falschen Behauptungen zu entschuldigen, sagt einiges über dessen Charakter. Und es sagt einiges über die Qualität der Arbeit eines Jochen Staadt, wenn er allein aufgrund der Aktenlage ein Urteil spricht. Und es sagt zumindest einiges über die Naivität von Herrn von Donnersmarck, wenn er dessen Urteil als nicht anzuzweifeln annimmt.

Sauter

Dieser Disput wird ein Klassiker, meine auch ich. Die Konfrontation der Steithähne war hinterfotzig.
Hübchen wurde durch HvD verkürzt zitiert. Meine Meinung, als Insider:
Ich kann nicht beschreiben, ob ich sie mehr gefürchtet, verachtet oder verspottet habe.
Das Ärgerliche: "Fremde" wissen genau was wann wie war.
Vergleiche führen meistens in die Irre, aber man stelle sich vor, die Geschichte der BRD (alt), das Leben ihrer Bürger,würde an hand der Unterlagen des BKA, des BND oder ander Institutionen beschrieben und bewertet.
Deshalb stimme ich Hübchen zu:
HVD gibt vor, eine Dokumentation abgeliefert zu haben. Das Leben war nicht so, sondern anders. (heißt nicht besser!) Er möchte nicht, dass seine Enkel sein Leben so wie in diesem Film sehen.
Zur Sachkenntnis des HVD: in einem Interview zu diesem Film (ND) sagte er, seine Mutter (oder Großmutter ?) sei extra an der Grenze schikaniert worden, weil sie in Breslau geboren sei. Jeder "Wessi" bewertet diesen Satz als RICHTIG. Sie wissen aus dem Hut, so war es und das ist das eigentliche Problem.

Sebastian

Mmh, ich sage ja gar nicht, dass HvD sich aufregte, weil Hübchen der Film nicht gefiel. Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass man Hübchens Meinung auf diesen von dir angeführten Satz reduzieren kann. Wie dem auch sei, ich denke schon, dass man sachlich bleiben kann. Und eine hitzige Reaktion ist mE kein Indiz für Verantwortungsgefühl.

Britta Walkowiak

Lieber Sebastian! Ich habe den Film "Das Leben der anderen" gesehen, das unqualifizierte Interview von Henry Hübchen gelesen und inzwischen auch etwas über die Stasi-Vergangenheit von Ulrich Mühes Frau gelesen.Herr Henckel von Donnersmarck hat sich ja nicht aufgeregt, weil jemandem sein Film nicht gefällt, sondern weil Herr Hübchen die Ungerechtigkeiten, die staatskritischen Künstlern seitens der Stasi widerfahren sind verharmlost hat. Wer Menschen erlebt hat, die unter unmenschlichsten Haftbedingungen Jahre in einem Gefängnis sitzen musste,weil seien Kuunst nicht DDR-freundlich genug war und dann auf Herrn Hübchen trifft der behauptet über die Stasi habe man schon zu DDR-Zeiten nur gelacht, kann dabei meiner Meinung nach nicht sachlich bleiben. Das Herr Henckel von Donnersmarck etwas zu hitzig reagiert hat,spricht nur für sein Verantwortungs- und Mirgefühl für die Stasiopfer, die er beid en Recherchen für seinen Film kennengelernt hat.

Britta Walkowiak

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