In der Vier Nasen Ausgabe die am vergangenen Donnerstag aufgenommen wurde, ging es zum Schluss um das Internet und die Darstellung bzw. Wahrnehmung in der Politik, sowie den ausbleibenden Aufschrei in den Medien und der Blogosphäre über die Vorschläge die Politiker dieser Tage zum Thema äußern.
Ich habe dazu unter anderem gesagt, dass die zurzeit betriebene Reformpolitik eher Evolution darstellt, als die benötige tatsächliche Reform bzw. Revoltion. Man "müsste eigentlich den Quellcode wegschmeißen, den Kopf frei machen und neu schreiben."
Wenn ich Politik so anschaue, könnte man einfach Parallelen zu Web 2.0 ziehen. Nico schrieb neulich
"Ich sehe Web 2.0 ja gerade so, dass der User mit seinen Entscheidungen
im Mittelpunkt steht und entscheidet, was und wie er es will."
So war mal das Urverständnis von Demokratie. Da hat eine Gruppe von Menschen, nennen wir sie mal Bürger, aus ihrer Mitte jemanden bestimmt (zB den Horst), der ihre Interessen dann vertreten sollte. Man hat gesagt, dem Horst vertrauen wir, der soll das mal machen. Und der Horst kannte die Interessen der Gruppe genau, denn er war ja ein Teil dieser Gruppe.
FastForward ins Jahr 2006: Die einzelnen Vertreter der Bürger, nennen wir sie mal Politiker, sind längst nicht mehr das, was sie mal waren, Menschen aus einem Interessenskreis. Heute gibt es einen eigenen Interessenskreis Politiker. Die Bürger wählen nicht mehr einen aus ihrer Mitte, sondern einen aus dem Kreis der Politiker, der weder die Interessen der Bürger kennt, noch sich wirklich dafür interessiert. Vielmehr "wählt" er seine Interessen, positionert er sich auf eine ganz bestimmte Art und Weise: In der Hoffnung, möglichst viele Bürgerinteressen auf einmal abzubilden, um bei Wahlen möglichst viele Stimmen zu bekommen.
Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun. Die Wähler finden Politiker auf den Wahlzetteln, die sie da nicht haben wollen und "wählen" letztlich das geringere Übel.
Dank meiner unendlichen Naivität sehe ich jedoch ein Ende dieser Art Politik zu machen. Genauso, wie die Medien langsam feststellen (mussten), dass sich dank Web 2.0 einige Strukturen grundlegend (und ich meine grundlegend, an der Basis) verändern, wird sich auch in der Politik einiges tun. Vielleicht noch nicht bei der nächsten Wahl, wobei abzuwarten bleibt, wie sich die nächste US-Präsidentschaftswahl entwickelt – die Deutschen sind ja gut im nachmachen.
Wer auch immer für die Anliegen der "Bürger" in die Bresche springt...

...er wird über das Internet kommen.
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