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Mittwoch, 27 September 2006

Zukunft der PR

Ende letzter Woche ist gar ein kleines Meme durch die deutsche Blogosphäre gerannt (wann kopiert eigentlich jemand mal TechMeme für Deutschland?), PR Blogger, Formsache, Basicthinking, Haltungsturnen.
Zwei Aussagen von Lars Cords, fischerAppelt Kommunikation, waren die Auslöser.

1. "Für mich ist das immer noch so, 99.99% dessen, was Web 2.0 ausmacht an Realität, ist immer noch das Ergebnis egozentrischer Selbstreflektierer. Und zwar auf dem Niveau von Teenager-Tagebüchern."
2. "Wo ich vorher über die Vermittlung über die Werbung oder über die Journalisten in der Lage war eine 1:n Kommunikation zu betreiben kann ich das Dialogangebot der Variante 2 nur durchhalten, wenn ich das Potential n:n biete. Also eine erhebliche Vergrößerung der Anzahl der handelnden Personen."

Bevor ich mich dazu äußere einige Anmerkungen. Auch wenn wir uns auf unseren Blogs über dieses Thema unterhalten – und ich meine dies nicht als Unterstellung, ich denke die oben genannten (Hr. Cords ausgenommen, kann ich nicht beurteilen), denken ähnlich – ist PR mehr als Online Kommunikation und mehr als Blogs. Darüber muss man sich im klaren sein wenn man darüber nachdenkt, ein Blog für seine Unternehmenskommunikation einzusetzen. Auch wenn einige das nicht wahr haben wollen, aber es gibt ein Leben vor dem Blog.

Ich habe vor einiger Zeit auf meinem anderen Blog etwas zum Thema "PR muss sich verändern" geschrieben, dabei ist das Wort Blog gar nicht gefallen. Es ging mir vielmehr um die Grundsätze, also Beratung, Behandlung der klassischen Multiplikatoren in der PR (aka Journalisten) und die Distribution. (Link)

So, jetzt wo das geklärt wäre, eine Kommunikationsstrategie gefunden ist, und befunden wurde, dass das Thema Blog da rein passt, widme ich mich den obigen Aussagen von Hr. Cords.

1. Das wird jetzt vielleicht einige überraschen, aber ich kann die Aussage per se verstehen. Für Beobachter des Blog-Phänomens die nicht selbst bloggen und sich nicht über längere Zeit damit beschäftigen, sieht dieses persönliche Geschreibe ohne Zweifel aus wie Tagebücher von Menschen, die sich profilieren wollen. Was man dabei nicht vergessen darf ist, dass die Bedeutung/Wertigkeit erst durch den Kontext klar wird. Um diesen zu erkennen, braucht es Zeit und auch ein wenig an-die-Hand-genommen-werden, genau so wie im "echten" Leben auch. Niemand wird von 0 auf 100 in einen Club aufgenommen, da muss man erst mal mitlaufen, artig Guten Tag sagen und nach und nach die Hackordnung kennenlernen. Mit der Zeit weiß man dann, wem die Menschen zuhören, und welchen Stellenwert das hat und warum. Hier setzt natürlich die Aufgabe einer Beratung an, Kunden bei diesem Lernprozess zu unterstützen, Nachhilfe zu geben, Türen zu öffnen.

So komme ich dann auch zum nächsten Punkt:
2. Techcrunch hat 121k Abonnenten, Aufwand 2 Personen. Zunächst müsste Coca-Cola erstmal etwas derartig Interessantes bieten, damit sich so viele Menschen engagieren, denn man darf nicht außer acht lassen, dass "lesen" nicht gleich "in Dialog treten" bedeutet.  Nur ein geringer Prozentsatz der Leserschaft eines Blogs kommentiert! Und selbst wenn sich zB 1000 Menschen am Dialog beteiligen würden, es geht beim bloggen nicht darum wie ein Call-Center jedem Interessenten zu jeder Zeit jede Information geben zu können, sondern, wie schon oben erwähnt, in den Dialog zu treten. Oder, to relate with publics.

Wolfgang hat das schon ganz treffend formuliert, es geht darum, "Gastgeber zu werden für Gespräche. Und dass nicht immer ich rede, sondern meine Gäste so viel Raum wie möglich bekommen."

Um den oben gespannten Faden zum Thema "neue PR" wieder aufzugreifen (Ansätze in Beratung, Targeting, Distribution) - man muss sich darüber im Klaren sein, dass Online PR, besonders im Bereich Weblogs, "no control PR" bedeutet.

Man kann Gastgeber sein, man kann Themen vorstellen, und vor allem Informationen liefern - offen, transparent und glaubwürdig kommunizieren.

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